Flourid für die Zähne: Gut oder schlecht?

Flourid für die Zähne: Gut oder schlecht?

Zahnpasta mit oder ohne Fluorid? Diese Frage hast du dir sicherlich auch schon gestellt. Viele gehen davon aus, dass Zahncreme ohne Fluorid die bessere Zahnpasta ist.
Fluorid ansich ist eine Fluorverbindung und Fluor ist ein natürlicher, chemischer Grundstoff, ein Gas. Fluor geht gerne mit anderen Stoffen feste Verbindungen ein und wird somit zum Fluorid. So wird aus der Verbindung Fluor und Natrium ein Natriumfluorid. Zahnpasta ohne Fluor ist also falsch, da Fluor ein Gas ist.

Welche Inhaltsstoffe hat Zahnpasta?

Putzkörper: Der Hauptbestandteil von Zahnpasta sind Putzkörper mit einem Anteil von 15 bis 55 Prozent. Die Putzkörper reinigen die Zahnoberfläche mechanisch und entfernen Plaque.
Zahnpasta mit Fluorid: Das Fluorid in der Zahnpasta wird von den Zähnen aufgenommen und lagert sich in den Schmelz ein. Es hilft vor der Entstehung von Karies und ist einer der Hauptgründe warum Karies in Deutschland zurückgeht. Das gebundene Fluor, also Fluorid, findet sich mittlerweile in fast jeder Zahnpasta. In der Zahnmedizin sind vor allem drei Fluoride bekannt und zwar, Natriummonofluorphosphat, Aminfluorid und Zinnfluorid.
Schaumbildner: Etwa 2 Prozent der Zahnpasta besteht aus Schaumbildnern. Sie ermöglichen es, dass Zahnpasta auch an schwer zugängliche Stellen gelangt und unterstützt die reinigende Wirkung von Zahnpasta.
Aromen und Farbstoffe: Diese Stoffe sollen ein angenehmes Putzgefühl und einen guten Geschmack nach dem Zähneputzen ermöglichen. Minze wird am häufigsten verwendet. Die bunten Streifen haben allerdings keine reinigende Wirkung für den Zahn.
Sonstiges: Zum Schutz von überempfindlichen Zähnen oder bei Zahnfleischproblemen können Zahnpasta zusätzlich Inhaltsstoffe enthalten, die Überempfindlichkeiten und Zahnfleischentzündungen reduzieren. Außerdem sind Bindemittel und Konservierungsmittel nicht ungewöhnlich.

Ist Fluorid für die Zähne schädlich?

Nein, Fluorid in der Zahncreme verbessert die Zahngesundheit. Es ist in den meisten Zahnpasten enthalten. Fluorid fördert die Remineralisation des Zahnes, in dem es sich im Zahnschmelz einlagert. Dadurch wird der Schmelz widerstandsfähiger gegenüber Säuren, die durch Plaque-Bakterien im Mund entstehen, wenn diese den Zucker aus Speiseresten verstoffwechseln. Die Säuren können der Zahnhartsubstanz Mineralstoffe entziehen und auf Dauer zu Karies führen. Fluorid hilft somit die Demineralisation durch Säuren zu hemmen. Es ist daher für die Kariesvorbeugung von großer Bedeutung.

Ist Fluorid Fluor und somit giftig?

Oft werden diese beiden Stoffe verwechselt. Fluor ist giftig. Fluorid hingegen unterstützt in Zahnpasta die Kariesprophylaxe und ist sehr gut untersucht. Fluorid eignet sich daher zur täglichen Zahnpflege.

Wie hoch ist die empfehlenswerte Menge Fluorid in der Zahnpasta?

Für Kinderzahnpasta wird ein Wert mit 0,05 Prozent Fluorid (= 500 ppm) angegeben. Somit ist in Kinderzahnpasta wenig Fluorid enthalten. Bei Zahnpasta für Erwachsene ist der Fluoridgehalt höher mit 0,10 – 0,15 Prozent Fluorid (= 1.000 – 1.500 ppm). Ppm steht für part per million.
Die DGPZM empfiehlt seit 2018 eine Fluoridierung ab dem Durchbruch des ersten Milchzahnes mit einer Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid und zwar zweimal täglich in einer reiskorngroßen Menge. Ab dem zweiten Geburtstag kann eine erbsengroße Menge verwendet werden. Alternativ ist in den beiden ersten Lebensjahren auch eine Zahnpasta mit 500 ppm Fluorid zweimal am Tag mit einer erbsengroßen Menge möglich.
Diese Zahnpasta hat genau die richtige Fluoridmenge für Kinder:

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Ist fluoridhaltige Kinderzahnpasta schädlich?

Gerade Kinder mit Milchzähen brauchen Fluorid für die Kariesprophylaxe. Allerdings sollten Kinder solange sie noch ein vollständiges Milchgebiss haben bis zum Durchbruch des ersten bleibenden Backenzahns (6. Jahres-Molar) Kinderzahnpasta verwenden mit einem niedrigeren Fluoridgehalt. Es ist auch möglich eine Zahncreme ohne Fluorid zu verwenden, jedoch sollten dann die Zähne mit Elmex gelee mindestens einmal in der Woche fluoridiert werden.
Erst mit 6 oder 7 Jahren wird eine Zahncreme mit 1.000 – 1.500 ppm Fluorid zweimal am Tag empfohlen, wie zum Beispiel Sensodyne pro Schmelz junior.

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Nehmen wir über die Nahrung zu viel Fluorid auf?

Es ist zwar unmöglich sich völlig fluoridfrei zu ernähren, da selbst unserem Trinkwasser Fluorid enthalten ist, sowie in Fisch oder Schwarztee. Allerdings sind wir damit weit von den Richtwerten für eine angemessene Fluoridzufuhr entfernt. Aktuell gibt es keine künstlich fluoridierten Lebensmittel in Deutschland, bis auf Speisesalz. Auf Speisesalz steht oft enthält Fluor. Damit ist die Anreicherung des Salzes mit Fluoriden gemeint. Manche Salzsorten enthalten auch zusätzlich noch Jod. Das Fluorid lagert sich beim Verzehr von Salz an den Schmelz an und nimmt eine Position im Schmelz an, wo sich Fluorid auch natürlicherweise im Schmelz befindet.

Bekomme ich keine Karies, wenn ich eine fluoridhaltige Zahnpasta verwende?

Eine fluoridhaltige Zahnpasta kann zwar Karies reduzieren, jedoch ist eine regelmäßige Zahnpflege und gesunde Ernährung ausschlaggebend, ob bei dir Karies entsteht oder nicht. Regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt sind ebenfalls empfehlenswert.

Wie funktioniert genau Demineralisation und Remineralisation?

In der Mundhöhle gibt es nicht nur gute Bakterien, die unter anderem die Verdauung unterstützen, sondern es gibt auch sogenannte Streptokokken, die zur Kariesentstehung beitragen. Der bekannteste dieser Familie ist Streptococcus mutans.
Die Bakterien lieben niedermolekulare Kohlenhydrate, also Zucker und verdauen ihn. Dadurch entsteht Milchsäure, die ein saures Milieu im Mund schafft. Der pH-Wer sinkt. Die Harmonie ist gestört und das Gleichgewicht muss wieder hergestellt werden. Dies erfolgt in zwei Schritten:
Zunächst muss die Säure neutralisiert werden, indem aus dem Kristallgitter des Zahnschmelzes bestimmte Mineralien (vor allem Kalzium und Phosphor) herausgelöst werden. Diesen Vorgang nennt man Demineralisation, also die Entfernung von Mineralstoffen. Nun sind im Schmelzgitter offene Stellen, die wieder besetzt werden müssen.
Sobald der Verdauungsvorgang der Bakterien beendet ist, sinkt der Säuregehalt im Mund wieder. Es müssen keine weiteren Mineralien mehr aus dem Zahnschmelz herausgelöst werden.
Im zweiten Schritt kommt der Speichel ins Spiel, der zu ungefähr 98 Prozent aus Wasser und zu zwei Prozent aus anderen Bestandteilen, wie Kalziumphosphaten besteht. Die frei gewordenen Plätze im Gitter des Schmelzes werden mit Kalziumphosphaten des Speichels besetzt und fest eingebaut. So wird der Zahnschmelz wieder dicht und fest. Eine solche Rückgewinnung von Mineralstoffen nennt man Remineralisation.
Im Idealfall besteht zwischen Demineralisation und Remineralisation ein Gleichgewicht. Wenn allerdings sehr oft Säure produziert wird oder der Säurespiegel nicht absinken kann, weil vor allem süße Zwischenmahlzeiten eingelegt wurden, überwiegt die Demineralisation und der Zahnschmelz bekommt nicht genug Kalziumphosphate aus dem Speichel zurück und die Löcher werden immer größer. So entsteht Karies.

Wie wirken Fluoride?

  • Fluoride fördern die Remineralisation. Kalziumphosphate werden schneller in den Schmelz eingebaut und die Zeit, in der die Säure auf den Schmelz wirkt und Kristalle herauslöst, wird geringer.
  • Auch Fluoride können in den Schmelz eingebaut werden. Kommt es zu einem Säureangriff, so sind Fluoride direkt an Ort und Stelle und können schneller die Remineralisation einleiten.
  • Fluoride, die in Form von Zahnpasta oder durch ein spezielles Gel, wie Elmex gelee auf den Zahn gelangen, bilden auf ihm eine Art Schutzschicht. Kommt es zu einem Säureangriff, so wird die Säure zunächst über die Deckschicht neutralisiert und der Zahn an sich wird nicht angegriffen.
  • Fluoride können in Bakterien eindringen und den Stoffwechsel stören. So wird die Säureproduktion gehemmt.
  • Die perfekte Gabe von Fluoriden ist im Kindesalter, wenn die bleibenden Zähne noch nicht durchgebrochen sind. Fluorid gelangt über das Blut in den Zahnschmelz und kann dort eingebaut werden. So sind die Zähne bereits beim Zahndurchbruch gestärkt und widerstandsfähiger gegenüber Säuren.

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Elmex gelee

Wo sind Fluoride enthalten?

Fluoride können in Speisesalz enthalten sein oder speziell auch in Mineralwasser. Für Kinder gibt es außerdem Fluoridtabletten. Außerdem gibt es eine große Auswahl an Mundhygieneartikel, wie Zahnpasta, Gele und Mundspülung.
Fluorid kann auch auf die Zähne lackiert werden. Dann sind die Fluoride über lange Zeit fest mit dem Zahn verbunden und können tief in den Schmelz einwandern. Dieses Verfahren nutzen Zahnärzte auch, um Patienten mit empfindlichen Zahnhälsen zu helfen.
In geringen Mengen kommen Fluoride auch in Lebensmitteln vor, wie z.B. in Schwarztee.

Was für Nachteile haben Fluoride?

Wie bei anderen Stoffen auch darf Fluorid nicht zu viel eingenommen werden. Es kann sonst zu Schmelzflecken kommen, wie bei der Fluorose.
Hier sehen wir oft feine weiße Linien oder wolkig erscheinende weißliche Areale auf den Zähnen. Sie sind ein Hinweis auf etwas zu viel Fluorid. Fast jedes zweite Kind hat auch ohne zusätzliche Fluoridzufuhr diese weißen Stellen an den Schneidezähnen.

Wie komme ich auf die richtige Fluoridmenge für mich?

  • Wenn Zuhause fluoridhaltiges Mineralwasser verwendet wird, muss Fluorid nicht zusätzlich noch in Tablettenform gegeben werden oder fluoridhaltige Produkte eingenommen werden. Der Fluoridgehalt im Trinkwasser ist je nach Region unterschiedlich. Wenn er über 0,7 mg pro Liter liegt, dann kann auf Fluoridtabletten verzichtet werden. Liegt er über 1 mg pro Liter, sollte Babynahrung nicht mit diesem Wasser hergestellt werden. Informiere dich am besten bei deinem Wasserwerk über den Fluordigehalt in deinem Trinkwasser.
  • Sofern du fluoridiertes Speisesalz verwendest, kannst du die Menge an zusätzlichen Produkten mit Fluoriden reduzieren.
  • Wenn deine Kinder ihre Zähne mit Kinderzahnpasta mit reduzierter Fluoridmenge putzen oder die Zahnpasta der Eltern benutzen, dann ist auch diese Fluoridzufuhr zu berücksichtigen.
  • Wenn der Zahnarzt Fluoridlack auf die Zähne aufträgt oder Zuhause regelmäßig Fluoridgel eingebürstet wird, muss auch diese Fluoridmenge berücksichtigt werden.

Fazit: Die ideale Fluoridzufuhr muss individuell bestimmt werden. Wer fluoridiertes Salz ablehnt, erhöht die Zufuhr über Fluoridgel oder bevorzugt fluoridhaltiges Mineralwasser. Damit du nichts falsch machst, bespreche es nochmal mit deinem Zahnarzt.
Hier erfährst du, was die besten Zahnpflegeprodukte 2019 sind.

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